Radfahrer sind rassistisch

Neulich in der Innenstadt

Das war wirklich »freaky«. An diesem Freitag ging es mir nicht gut und ich entschied mich, dieses Mal den »Freaky Friday« auszulassen. Da wusste ich noch nicht, was mir am selben Tag noch passieren würde. Wie der eine oder andere weiß, wohne ich in Berlin und da ist im Straßenverkehr immer viel los. Gestresste Autofahrer, arrogante Fußgänger und rücksichtslose Radfahrer treffen aufeinander. Das hier nicht viel mehr passiert, als wie es die Statistiken ausweisen, grenzt nahezu an ein Wunder. Fast wäre wirklich etwas passiert. Doch dazu nun mehr.

Seit 1989 fahre ich Unfallfrei mit dem Auto und dem Fahrrad. Mit dem Motorroller zwangsläufig nicht, weil 45 km/h definitiv ein Verkehrshindernis sind und einige Autofahrer der Meinung sind, sie müssten mich abdrängen. So ist das eben in Berlin, in einer Großstadt. Deshalb kann ich Personen vom Land verstehen, dass sie in Berlin nicht fahren möchten. Doch nur wer hier gut durchkommt, kann wirklich fahren! Anders kann ich mir manche Unfälle auf gerader Strecke nicht nachvollziehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zu meinem Erlebnis mit einem Fahrradfahrer älteren Datums. Schaue Dir bitte au der Grafik die Kreuzung an. Hier erkennst Du, das es eine T-Kreuzung ist, bei der ich, unabhängig mit welchem Gefährt, die von rechts kommenden Fahrzeuge, ob Fahrrad, Roller, Auto oder LKW, Behindertenfahrzeuge, Trecker … vorbeifahren lassen muss, wenn ich nach links abbiegen möchte. Schließlich kreuze ich ihren Fahrweg.

Ich näherte mich nun mit 30 Stundenkilometern und bremsbereit der Straßenkreuzung. Von links sehe ich zwei Fahrradfahrer kommen, die mich ebenso sahen und überraschenderweise abbremsten. Ich weiß! Das sollen sie auch, doch wie bekannt, scheren sich viele Radfahrer einen Dreck um Verkehrsregeln und meckern, wenn sie umgefahren werden… Auch das ein anderes Thema.

Jedenfalls bremsten die beiden Radfahrer ordnungsgemäß und ich rollte mit langsamem Tempo in Richtung Kreuzung, damit ich die von rechts kommenden Fahrzeuge rechtzeitig sehen und bremsen kann. Ich muss zugeben, dass ich kein Fahrer bin, der wartet, bis ein Auto kommt. Ich fahre wenn frei ist.

Meine Erwartungen wurden bestätigt und es kam ein Auto von rechts und ich bremste. Plötzlich merke ich in meinem linken Blickwinkel eine Bewegung. Als ich genau hinschaute, sah ich, wie der etwas ältere Radfahrer (69 oder älter?) sich gerade noch auf dem Fahrrad halten kann um nicht gänzlich auf der Straße bzw. links in meine Seite zu fahren.

Etwas verwundert, was der Radfahrer neben mir suchte war ich doch zufrieden, dass ihm nichts passiert ist. Doch wahrscheinlich hätte es doch etwas mehr sein sollen, denn der Opa machte ein grimmiges Gesicht und fing zu wettern an! Er brüllte richtig und fuhr hinter mir vorbei ohne nicht noch ganz wichtige Worte mir zukommen zu lassen:

«Scheiß Türke![...]«

Den Rest verschweige ich lieber. Völlig irritiert konnte ich nur zurückrufen, ob er noch nie etwas von »rechts-vor-links« gehört hätte. Erst danach wurde mir bewusst, was er gerufen hatte.

Was war geschehen? Was hatte ich ihn getan und welchen Grund hatte ich ihn gegeben, mich als Türken zu bezeichnen? Ok. In meinem Leben wurde ich des Öfteren für ein Ausländer – oh entschuldige – ein Mensch mit Migrationshintergrund – gehalten. Fluch oder Segen, das zeigt meine Lebensgeschichte. Aber das ist ein anderes Thema…

Was ich nicht verstehe, warum dieser Radfahrer, der alles falsch machte, sich zu einer solchen rassistischen Äußerung hinreißen ließ. Aber auch das ist mir schon öfters passiert. Meistens von Fußgängern und Radfahrern. Autofahrer weniger. Da bin ich zu gelassen und es ist es nicht Wert. Denn heutzutage kann es ganz schnell passieren, dass ich ein Messer im Körper habe oder eine Pistolenkugel meine Stirn mit einem Loch verziert.

Natürlich ist mein Titel provozierend. Und natürlich kann ich nicht jeden Radfahrer in die gleiche Schublade stecken. Doch auffällig bei Radfahrern und Fußgängern ist die Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Regeln werden in der Regel missachtet, Fußgänger schauen nicht nach ankommenden Autos und strecken rotzfrech ihre Hand aus und zeigen mir die flache Hand um zu sagen, Stopp, hier komme ich. Du sollst bremsen. Am besten bleiben diese Menschen noch mitten auf der Straße stehen. Aber auch Radfahrer zeigen dieses Verhalten, doch nur in gemäßigter Form – sie fahren einfach, 0,2s, nachdem sie die Hand mir gegenüber die Hand ausstreckten…

Letztens bin ich im normalen Tempo über die Straße gegangen, nicht so, wie heutzutage viele Eltern mit ihren Kindern und später die Jugendlichen über die Straße gehen – sich unterhaltend und im
Schneckentempo und wenn ein Auto kommt, stehenbleibend und Handausstreckend…


Größere Kartenansicht

Nein. Im ganz normalen Laufschritt. Wenn Du auf dem obigen Bild schaust, erkennst Du die große Querstraße. Da wo jetzt die Kamera ist, stand ich, bzw. lief ich über die Straße. Es war alles frei. Nun kommt aus der großen Querstraße ein Auto um die Ecken geschossen und bremst Gott sei Dank noch rechtzeitig. Na ja, nicht ganz. Der Fahrer war der Meinung, dass er mich anfahren musste, nachdem er schon stehengeblieben war. Ich war ihm anscheinend zu langsam. Auf meine Frage hin, was das soll, erhielt ich die Antwort, ich hätte ihn kommen sehen sollen. Nun zu meinem Fragezeichen über mein Kopf.

Als ich losging war kein Auto in Sicht. Auf der Hälfte der Strecke sah ich ein auto um die Ecke schießen. Bei dreiviertel der Strecke war das auto neben mir. Was hättest Du getan?
So wie viele andere, frech stehenbleiben und die Hand ausstrecken oder schnellstmöglich die Fahrbahn verlassen? Ich entschied mich für die zweite Variante, kam aber nicht mehr dazu, sie auszuführen.

Wie es ausging? Ich schüttelte den Kopf und ging weiter. Aus den schon genannten Gründen. Man weiß ja nie.
Aber auch er fuhr mich mit irgendwelchen Worten an, das ich als Türke doch abhauen sollte.

Nicht alle Deutschen sind rassistisch. Nur bei Deutschen wird mehr darauf geachtet – um es diplomatisch auszudrücken. Unter unsere ausländischen Mitbewohner gibt es auch welche, die ihre Missachtung vor dem anderen äußern, ohne jedoch gleich als rassistisch bezeichnet zu werden. _Das bleibt nur uns Deutschen vorbehalten, aufgrund unserer Vergangenheit. Doch wenn ich die heutige Zeit anschaue, dann müsste das Augenmerk nicht mehr nur auf uns gerichtet sein. Aber auch das ist ein anderes Thema und kann nur zu Missverständnissen führen. Um es gleich klarzustellen: ich habe generell nichts gegen unsere Mitmenschen mit Migrationshintergrund. Mit den meisten kommen ich und viele andere gut klar. Es sind Einzelfälle. Mal mehr, mal weniger. Aber so ist das Leben.

Warum ich das Thema anspreche? Weil mich der Radfahrer als »scheiß Türke« bezeichnete und es dazu keinen Grund gab. Und selbst wenn, dann hat er nicht das Recht zu dieser Äußerung. Basta. :)
Eine Frage möchte ich noch beantworten:

Ich bin kein Mensch mit Migrationshintergrund. Kein Türke, Russe, Pole oder Italiener. Ich bin ein waschechter Berliner und froh darüber.

Das Leben in einer Großstadt ist nicht immer einfach und ob hier in Berlin oder in Kleinkleckersdorf, muss ich als Teilnehmer im Straßenverkehr mit Allem rechnen. auch wenn ich vielleicht toll fahre, so gibt es immer noch andere, die das nicht können.
Darum bitte ich Dich um genau Dieses:

Bitte verwende Deine volle Konzentration für den Straßenverkehr! Nicht für Handy, Navi, Fernseher oder Streit im Auto! Wenn irgendetwas ist, haltet irgendwo an! Dort könnt ihr in Ruhe telefonieren, auf den Straßenplan schauen, Fernsehen gucke oder sich mit dem Beifahrer streiten. :)

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9 Kommentare

Tom
3 Kommentare
Iris
Iris
1 Kommentar
Sabine
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  1. Hallo Timm,

    da hast du ja zwei ganz heiße Eisen aufgegriffen und miteinander kombiniert. Und nach dem Erlebnis mit dem abbiegenden Auto und dir als Fußgänger, den der Fahrer ja an sich beim Abbiegen durchlassen muss, bin ich erstmal froh, dass du noch am PC sitzen und schreiben kannst.

    Ich bin ja auch in Berlin mit dem Auto unterwegs und erlebe dabei auch so dies und das, mache selber Fehler, werde angemeckert, rege mich auf usw. Leider sind Radfahrer dabei wirklich oft ein Problem. Ich kann sogar nachvollziehen, dass sie, wie sie meinen, aus Sicherheitsgründen oft lieber auf der Straße statt auf dem Radweg fahren. Das ist noch nachvollziehbar.

    Was ich aber bei niemandem nachvollziehen kann, ist das bewusste Verletzen von der Sicherheit dienenden Verkehrsregeln wie Halten an roten Ampeln oder die simple Sache mit rechts vor links. Auf meinem Arbeitsweg sehe ich morgens jede Menge Herren im Maßanzug auf dem Rad, denen rote Ampeln sowas von egal sind. Und manchmal hab ich schon gedacht, dass genau die gleichen Typen eine Stunde später so etwas in Gerichtssaal anprangern. Wenn bei sowas ein Unfall passiert, ist das Geschrei groß. Dabei wäre er, im Gegensatz zu umgefahrenen Radfahrern an z.B. Grundstücksausfahrten, von den Radlern selbst vermeidbar gewesen. Und das hat wirklich mit der von dir genannten Arroganz zu tun. Wer Rad fährt ist kein böser Autofahrer und darf deshalb alles.

    Dass es mit den geistigen Fähigkeiten bei deinem Radfahrer nicht so dolle war, zeigt ja sein Umgang mit den Richtungen und auch seine verbale Reaktion. Da ist es schon fast wieder witzig, dass er damit ja voll daneben lag.

    Weniger witzig ist, dass berechtigte Kritik nicht geäußert werden darf, nur weil die nationale Herkunft entsprechend ist. Da könnte ich aus meinem Berufsleben mit Geschichten aufwarten, in denen Menschen ihre Herkunft als Rechtfertigung für die übelsten Verhaltensweisen missbrauchen und damit auch noch durchkommen…..
    Und es kann mir durchaus passieren, dass schon dieser Kommentar nicht neutral gelesen und verstanden wird. Ich empfinde es grundsätzlich als Problem, wenn Menschen, die den gleichen Regeln unterliegen, mit zweierlei Maß messen und gemessen werden. Und das passt auf Verkehrsteilnehmer ebenso gut wie auf alle anderen.

    Lass dich nicht ärgern! LG

    • Unabhängig von der Herkunft des einzelnen Radfahrers, finde ich es schon wichtig, das gegenseitig aufeinander Rücksicht genommen wird und erstRecht bei Ausfahrten ist das ein großes Problem. Von der Straße her kaum sichtbar, denkt so manch Auto- und Radfahrer, erkann einfach auf die Straße, der andere wird mich schon sehen.

      Und wie Du schreibst, sind das nicht nur irgendwwelche »Assis« sondern auch Menschen mit Anzug und Krawatte.
      Nur wer wirkt vertrauenswürdiger nach einem Unfall mit Fahrrad, sofern er diesen überlebt?

      Das mein Radfahrer mit seiner Einschätzung so voll daneben lag, amüsiert mich auch, nur finde ich es wirklich schade, das es auf diesem Niveau sein muss. …

  2. Nun, ich als Fußgänger, der job-technisch viel in Mitte zu Fuß unterwegs ist, kann nur sagen, dass es für Fußgänger kaum noch einen Freiraum gibt. Radfahrer fahren auf dem Gehweg, obwohl der Radweg daneben frei ist und auch gefahrlos genutzt werden kann. Beispiel Alexanderstraße: da mal einen Tag lang ne Kamera postiert… Das führt natürlich bei den Fußgängern zu Stress, die die Radfahrer dafür vollnöhlen. Die Radfahrer wiederum fühlen ungerecht behandelt, weil sie sich von den Autofahrern bedroht fühlen, dem aus dem Weg gehen wollen und deswegen die Gehwege benutzen, was natürlich so auch nicht stimmt. Aber es wird erstmal zurückgenöhlt oder schlimmeres. Dieses Gefühl nimmt sowohl der Radfahrer als auch der Fußgänger mit und kommt im Anschluss vielleicht in eine zweifelhafte Situation mit einem Autofahrer. Wie wird der Radfahrter resp. Fußgänger wohl reagieren? Das ist wie eine Welle, die sich fortpflanzt. Ich beobachte das ja auch an mir. Ich hab manchmal einen so dermaßen dicken Hals, nur weil ich andauernd Schlangenlinien laufen muss, weil mir rücksichtslose Menschen, ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad, entgegenkommen. Manchmal lasse ich auch das Ausweichen, was unweigerlich zu Kollisionen führt. Ich nehme das dann in Kauf. Ich habe auch schon erlebt, dass Autofahrer extra Gas gegeben haben, weil ich nicht schnell genug über die Straße gekommen bin (Jannowitzbrücke). Da fällt mir kaum was Gutes dazu ein.
    Im Prinzip müssten wir (alle) in unserem Denken das Wort Vorsicht durch das Wort Rücksicht ersetzen und dann kommen wir zum Kern der Sache. Dann muss nämlich jeder zuerst bei sich anfangen. Aber dies widerspricht dem Wesen dieser Gesellschaftsform, die sich ja die Falschinterpretierung der Darwinschen Formulierung »Survival of the fittest« zum Credo gemacht hat: Der Stärkere gewinnt – und so hackt jeder auf dem rum, von dem er glaubt, dass er der (sozial oder physisch) Schwächere ist. Ein Teufelskreis.

    So, haben fertig :-)

    PS: Ich habe bewusst darauf verzichtet, nicht zu pauschalisieren und zu verallgemeinern, wohl wissend, dass dies keine geeignete Form der Diskussion ist. Auch ist der Text nicht gegendert. Wer Lust drauf hat, kann es tun ;-)

    • Hallo Tom, vielen Dank für dieses ausführliche Feedback. :) Ich gebe dir vollkommen Recht, das »Rücksicht« angebracht ist. Doch das wird in den Medien nicht gelehrt. Siehe Nachmittagsprogramm im Fernsehen. Wer sich entschuldigt oder Rücksicht auf den anderen nimmt, der gilt als Schwach und auf ihm wird getreten. Siehe auch auch die sozialen Berufe. Sie müssten mit ihrer Verantwortung viel mehr Geld und Beachtung bekommen. Doch ihre »soziale Ader« wird kaltblütig ausgenutzt.
      Im Gegenzug wird Ellenbogenverhalten belohnt. Ohne Rücksicht auf Verluste spekulieren und andere dafür bezahlen lassen oder Dumpinglöhne zulassen um »wettbewerbsfähig« zu bleiben…
      Geld um alle Schulden loszuwerden ist da. Doch das wollen die Banken nicht. Sie leben von den Krediten. Also wird alles auf den »kleinen Mann« abgewälzt.
      Geringere Löhne, Angst um den Arbeitsplatz, die Einstellung einer Wegwerfgesellschaft, Angst bei der Erziehung der Kinder und viele viele weitere Ungerechtigkeiten forcieren das »Gegeneinander«. Jeder ist sich selbst am nächsten…
      Ich kann Dir dahingehend jede Menge Geschichten erzählen. Was ich aber besonders schlimm finde ist, das sich die Menschen für dumm verkaufen lassen. sie lassen es zu, weil es bequem ist…
      Die Vergangenheit bestimmt die gegenwart und zeigt den Weg in die Zukunft.
      So lange sich die Menschen nicht trauen nein zu sagen oder zurückzustecken, des Zieles wegen bzw. auch mal den unbequemeren Weg wählen, wird sich nichts ändern. Geld regiert die Welt und wir lassen es zu…

      LG Timm

      • Tja, wo Du Recht hast hast Du Recht. Auch Deiner Einschätzung im Hinblick auf die Wertschätzung der sozialen Berufe kann ich nur zustimmen, da ich genau dieses am eigenen Leib erfahre.
        Gruß, Tom

  3. Im Spitzenverkehr sind ja alle stressvoll, besonders am Ende der Woche brauchen wir ein bisschen mehr Toleranz auf den Wegen. Obwohl ich diesen Fahrraeder auch verurteile, glaube ich noch immer dass jede Sache eine Ursache haben soll…

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