Ich möchte die Idee von Vroe gleich aufgreifen und mich mit der Arbeitssuche in der heutigen Zeit beschäftigen. Kommt es dir auch so vor oder irre ich mich in meiner Wahrnehmung? Bei der Jobsuche geht heutzutage fast nichts mehr ohne Person-Leasing. Das nervt mich. Seit Hartz IV und Ich-AG sowie Provisionen für Arbeitsvermittler boomt diese »Dienstleistungsbranche«. In den letzten Jahren wurden zudem die Kündigungsfristen gelockert. Alles zu Gunsten des Arbeitgebers, oder?
In den letzten Jahren beschäftige ich mich des Öfteren mit der Stellensuche. Ob ich jetzt wirklich eine brauchte, möchte ich mal dahingestellt lassen. Auf dem Laufenden zu bleiben kann ja nicht schaden. Vielleicht finde ich einen Arbeitsplatz, bei dem ich mich weiterentwickeln kann. Diese Idee ist sicherlich nicht falsch.
Arbeitssuche
Ich nutz(t)e viele Möglichkeiten der Arbeitssuche im Internet. Ob Jobscout24.de, Berliner Morgenpost, Jobs Dresden, Jobs Berlin oder bei der Arbeitsagentur. Bei jeder Suche erscheinen zu 90 Prozent Stellen zur Arbeitnehmerüberlassung. So weit so gut.
«Otto-Normal-Bürger« ist froh über die »große Auswahl« der Angebote für eine Arbeitsstelle. Hauptsache eine Arbeit und nicht auf Kosten des Staates leben. Und die Aussicht auf Übernahme in die Firma ist doch ein anzustrebendes Ziel.
So weit die Theorie.
Erste Erfahrungen mit Person-Leasing
Leider musste ich selbst schon Erfahrungen mit einer großen, bekannten Personalleasingfirma sammeln. Und diese waren nicht so schön, wie es die Politiker gerne hätten. Das Ausleihen an eine Firma für ein (zeitlich beschränktes) Projekt mag für die Firma eine gute Lösung sein. Ich bin eine billige Arbeitskraft ohne viel Risiko. Wenn ich meine Arbeit nicht gut mache; es gibt viele andere Arbeitslose auf dem Markt. …
Hinzukommt, dass die Leiharbeitsfirma und der Auftraggeber an mich verdienen. Ich habe mitbekommen, dass meine PL-Firma 600 Euro monatlich für sich in Anspruch nimmt. Das heißt, der Auftraggeber zahlt einen Monatslohn von 1600 Euro Brutto an meine Leihfirma und davon bekomme ich ungefähr 1000 Euro brutto als Monatslohn. Wenn mein Arbeitgeber mich monatlich mit irgendwelchen Dienstleistungen unterstützt, die diese Summe rechtfertigen könnten, dann würde ich es noch »nachvollziehen« können. Doch dem ist nicht so. Mein Arbeitszeitkonto füllte sich mit unbezahlten Überstunden und ich wurde unter Druck gesetzt als ich mich nicht zwei Wochen krank meldete sondern nach 2 Tagen wieder auf Arbeit erschien. Ich konnte mir eine lange Krankheit einfach nicht erlauben.
Es ist schon frustrierend, wenn Du für Dein Engagement einen Tritt bekommst.
Übernahme in die Firma
Wie ist es letztlich mit der Übernahme in die Firma? Ich muss jetzt laut auflachen. Immer wieder bekomme ich mit, das Angestellte einer Personalleasing-Firma entlassen werden (mit fadenscheinigen Gründen), damit sie nicht übernommen werden. Andererseits werden alteingesessene Mitarbeiter gefeuert, weil sie zu teuer für die Firma werden. Das darf nicht der offizielle Grund sein. Also müssen strukturelle Änderungen her, die eine Entlassung rechtfertigen könnten.
Ist der Mitarbeiter entlassen erscheint am selben Arbeitsplatz ein Student, Praktikant oder eben eine Person wie mich, die eine Personalagentur als Arbeitgeber hat.
Nicht selten müssen diese Arbeiter beim Staat Hartz IV beantragen, weil der Lohn zu niedrig ist. Das sind doch unhaltbare Zustände! Aber die Politiker lassen sich von den Lobbyisten der Wirtschaft immer wieder kleinkriegen. Argumentiert wird dann mit sinkenden Arbeitslosenzahlen und Globalisierung.
Letztlich trennten wir uns wegen meinem Ehrgeiz, der nicht »normal« war. Ich wollte Arbeiten, durfte aber nicht. Schizophren? Ja sicher. Doch wegen leichter Kopfschmerzen und verschnupfter Nase bleibe ich nicht 2 Wochen zu Hause. vor allem dann nicht, wenn ich dann nur noch 60% von 6,22 Euro/Std. bekomme.
Ein Einzelfall
Leider sind die schlechten Erfahrungen mit Personaldienstleistungen kein Einzelfall. Doch werden diese schön verschwiegen, weil Personaldienstleister Arbeitsplätze »schaffen« und somit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands aufrechterhält.
Und warum wanderten bisher viele große Firmen ins Ausland? weil es dort noch billiger geht. Vielen Dank, Globalisierung….
Ich für meinen Teil möchte nicht mehr als Leiharbeiter tätig sein. Doch wie schon im Titel erwähnt:
Geht es überhaupt noch ohne Personal-Leasing?
Wie denkst du darüber? Welche Erfahrungen konntest du mit Personal-Leasing sammeln? Was müsste anders werden, damit es in der Arbeitswelt wieder gerechter zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zugeht?
Ich freue mich über Deine Kommentare.
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Ich sehe das genauso wie du. Leiharbeiter sind keine vollwertigen Beschäftigten, die sich in einem Job weiterentwickeln dürfen, sondern eine Art Wegwerfmaterial der Arbeitgeber, durchlaufende Posten, jederzeit ersetzbar. Dabei möchte ich gar nicht so sehr auf den Firmen rumreiten, die solche Arbeitgeber beschäftigen, denn deren Motivation kann ich auch nachvollziehen. Etwas sehr Wichtiges dabei ist, dass sie sich jeglichen Aufwand für Personalverwaltung ersparen und ihn an die Verleiher weitergeben. Das rechnet sich bestimmt.
Das eigentlich Schlimme an dem System ist, dass man den Menschen, die wirklich arbeiten wollen, so jegliche Motivation nimmt und ihnen wirklich etwas vorgaukelt in Sachen feste Übernahme oder Leiharbeit als Möglichkeit viel rumzukommen und wertvolle Erfahrungen im Beruf bei unterschiedlichen Firmen in kürzester Zeit zu sammeln. Das ist Verarschung pur. Wer kann sein Leben auf einem Schleudersitz planen? Da bleibt man nicht nur beruflich, sondern auch privat auf der Strecke.
Ein anderes Unwesen ist das Praktikantentum. Viele Firmen gehen noch weiter als bis zum Leiharbeiter und beschäftigen vermehrt Praktikanten. Da kann man natürlich auch erstmal denken: Juchu, eine tolle Chance für junge Leute, Erfahrungen zu sammeln. Sicher. Aber nicht umsonst spricht man von der »Generation Praktikum«, die sich ausnutzen lässt. Da wird noch weniger gezahlt und zum Lebensunterhalt wieder auf den Staat zurückgegriffen, der einem die 150,– monatlich auch noch auf Zusatzleistungen wie Miete oder Heizkosten anrechnet. Wenn geregelte Arbeit nicht so ein wichtiger Faktor für das Selbstwertgefühl wäre, könnte man eigentlich gleich zu Hause bzw. beim Amt sitzen bleiben. Denn Leiharbeit, Praktika und Co. sind keine Lebensgrundlage.
Hallo Iris,
Du triffst den Nagel auf den Kopf mit:
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Das ist es, was es für den Arbeitgeber so einfach macht und für den Leiharbeiter so frustrierend ist.
Leiharbeiter sind die Sklaven der Neuzeit. Der Mensch ist bedeutungslos. Es zählt nur der Profit.
Während der Arbeitgeber seine Zukunft planen kann (wenn nicht dieser Arbeitnehmer, dann ein Anderer…), so können es viele Leiharbeiter nicht.
Es ist für den Leiharbeiter ein unheimlicher Druck nicht zu wissen, was nach 3, 6 oder 12 Monaten passiert, selbst wenn das einkommen stimmen würde.
Da muss man sich doch nicht wundern, warum es so wenige Kinder in Deutschland gibt.
OK. Deutschland gehörte nie zu den kinderreichsten Ländern, doch mit dieser Situation hat sich die Lage noch verschärft.
Schön, dass Du die Praktika erwähnst. Wie oft musste ich erleben, das Festangestellte mit Praktikanten, am besten natürlich Studenten, ersetzt werden. Dieses Vorgehen gab es schon immer, doch gepaart mit der Leiharbeit tritt die soziale Ungerechtigkeit immer mehr hervor.
Warum nicht dagegen vorgegangen wird? Neben vielen anderen Gründen liegt es auch daran, das die Deutschen kein Volk sind, welches auf der Straße streikend aktiv ist, wie andere Länder. Zudem kommt das Gefühl der Machtlosigkeit hinzu. Die Politik und Wirtschaft macht sowieso das, was sie will.
Die Wahl der Vertreter für das Volk ist letztlich eine Farce.
LG Timm
Generell ist Zeitarbeit unfair, weil der Leiharbeit für (oftmals) die gleiche Arbeit viel weniger Geld bekommt und manchmal auch wie ein Hiwi behandelt wird. Allerdings kann es auch eine Chance sein – ich habe 6 Monate bei einer Zeitarbeitsfirma in meinem jetzigen Betrieb gearbeitet und nach dieser Zeit wurde ich übernommen und habe seit 2008 einen unbefristeten Vertrag.
Glückwunsch, Nicole. Du bist die Erste, bei der sowas geklappt hat. Ich kriege immer nur Entlassungen nach 6 Monaten mit.
Ich auch. Und wenn nicht nach den ersten 6 Monaten, dann spätestens nach 18 Monaten. :)
Hallo Nicole,
vielen Dank für Deinen Kommentar. Es tut mir leid, das ich erst jetzt dazu komme darauf zu antworten.
In der Öffentlichkeit wird vieles als das verkauft, was es eigentlich nicht ist.
Wie oft wird nach neuen Begriffen gesucht, die die Wahrheit verschleiern sollen. Ein Beispiel:
Es gibt in Deutschland eine arme Unterschicht.
So darf es natürlich nicht gesagt werden. Deshalb erfand man das Wort »Prekariat«, in der Hoffnung, das keiner versteht, wovon die Rede ist.
Heutzutage spricht man auch nicht mehr von »Idioten« sondern von »bildungsfernen Schichten«.
Beispiele gibt es wie Sand an Meer.
Leiharbeiter gibt es schon seit den 1920ern. Doch seit dem das so genannte Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit 1994 gekippt wurde und die private gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung zugelassen wird und erst Recht seit den Änderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetz – kurz AÜG im Zuge der »Hartz – Vorschläge« hat sich die Leiharbeit zu dem Entwickelt, was sie heute ist. Moderne Sklaverei.
In den letzten 20 Jahren sind mir erst drei Kollegen begegnet, die von der Firma letztlich übernommen wurden. Immer wieder werden die Verträge verlängert und wenn der Personalchef den Leiharbeiter übernehmen müsste, dann kommt es immer wieder zu komischen Situationen bei der Kündigungsbegründung. …
Natürlich hängt es auch von der Branche ab, bei der Du eingesetzt wirst. Wenn Du in handwerklichen, industriellen Berufen eingesetzt wirst, dann mag Zeitarbeit ein probates, Hoffnung schöpfendes Mittel sein, doch sobald es sich um Dienstleistungen handelt, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. So ist es schon immer gewesen.
Vor diesem Hintergrund freue ich mich um so mehr für dich, dass du eine Festanstellung mit unbefristeten Vertrag besitzt.
LG Timm